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„Dein Hund ist aber aggressiv!“

„Dein Hund ist aber aggressiv!“

Vorab kann man sagen, dass „aggressiv“ keine Charaktereigenschaft ist, die aus Hundesicht sinnvoll ist.

Was aber wenn der Hund an der Leine andere Hunde anpöbelt oder am Gartenzaun den Nachbarn verbellt? Ist er dann nicht aggressiv? Ist er unartig oder zeigt er Problemverhalten? Oder ist er einfach total sozial dem Menschen gegenüber und sein Verhalten führt zu Problemen?

Aggression ist eine Art sich zu verhalten, wenn man emotional gestresst ist und/oder keine andere Strategie – gelernt – hat.

Das bedeutet, man ist gestresst, es fühlt sich nicht gut an, man weiß es nicht besser, fühlt sich hilflos und das führt auf Dauer zu Erkrankungen… und ist schlicht anstrengend. Versucht selbst mal 24 Stunden lang konsequent aggressiv zu sein. Das hält man nicht lange durch, weder mental, noch hormonell!

Hunde sind  Energiesparer, das bedeutet, sie heben sich ihre Energiereserven für Dinge auf, die – aus ihrer Sicht – sinnvoll sind, z. B. den Nahrungserwerb. Von daher würden Hunde grundsätzlich nicht aggressiv sein, weil es Energien verschwenden würde.

Auf etwas aggressiv re-agieren oder sich aggressiv verhalten „lohnt“ sich aus Hundesicht durchaus.

Der biologische Sinn von aggressivem Verhalten ist nämlich durchaus gegeben… Aggression kommt aus dem Lateinischen (> aggredere) und bedeutet so viel wie „herangehen“, d.h. bei einer Aggression handelt es sich um eine Art der Herangehensweise. Vielleicht hat man mehrere Herangehensweisen, vielleicht nur diese eine.

Das hängt von verschiedenen Faktoren wie der Art der Bindung, der Epi-Genetik und Erfahrungswerten ab. Vielleicht war man mit dieser Art, an Dinge heranzugehen, bereits erfolgreich, dann wird man das nächste Mal die gleiche Strategie probieren, evtl. sogar etwas verstärkt – damit es schneller geht. Versuch und Irrtum ist hier wichtig!

Wann verhält man sich aggressiv?

Wenn man angreift oder etwas verteidigt. Das tut man, wenn einem Dinge wichtig sind.

Als Mensch wäre das z.B. Angriff auf etwas, das man haben möchte, z.B.

  • ein Territorium, wie das eigene Grundstück
  • die Buffetschlacht im All-Inclusive-Hotel
  • Auktionen
  • im Wettkampf, in dem es um den Status und Anerkennung geht
  • theoretisch greift man auch in der Partnersuche an

oder wenn man etwas verteidigt, z.B.

  • man fühlt sich ungerecht behandelt oder in der Ehre gekränkt
  • seine körperliche Unversehrtheit
  • sich selbst, weil man unsicher ist oder etwas nicht kennt und es bedrohlich wirkt
  • Hab und Gut, welches man zu verlieren droht
  • Ressourcen, wie Naturressourcen, z.B. Öl, Gas oder
  • lebensnotwendige Ressourcen wie Wasser oder Nahrung

Welche Art der Aggression wäre wohl die heftigere? Wann würde man sich aggressiver verhalten?

Geht es dem Hund nicht auch um die Verteidigung von Ressourcen? Vielleicht sogar um die gleichen Ressourcen wie uns Menschen? Ressourcen, die das Überleben sichern…

  • Eigene körperliche Unversehrtheit
  • Sicherheit im eigenen Territorium / Jagdgebiet
  • Sicherheit der Nahrung
  • Sicherheit des Partners – Zweithund oder Mensch

Hunde in einer sozialen Gruppe sorgen füreinander und gemeinsam für Sicherheit, würde einer davon nicht mitmachen, würde er aus der Gruppe fliegen, weil sein Verhalten die Gruppe in Gefahr bringt. Rausfliegen bedeutet: er würde alleine sein. Alleine überlebt man schwieriger als in der Gruppe, das ist dem Hund klar und macht Säugetiere so „sozial“. Egal, ob auf 4 oder 2 Beinen – Zugehörigkeit zählt zu den Grundbedürfnissen. In der Gruppe passt man aufeinander auf! Falls dieser Rolle keiner nachgeht, übernimmt sie einer. Im Zweifelsfall der Hund, der dann als „aggressiv“ bezeichnet wird.

Der Hund ist aus Hundesicht artig und sorgt für Sicherheit, damit er nützlich für die Gemeinschaft ist, das würde man schließlich unter Hunden so machen.

Deshalb ist es wichtig, dass der Hund von Anfang an erfährt, dass er geschützt wird, die Rolle des Aufpassers der Mensch übernimmt und der Hund sich um nichts kümmern muss – damit er nicht aus Menschensicht unartig wird.

Wenn wir Menschen etwas verteidigen, würde niemand von einer Un-Art sprechen… Man tritt auf für etwas oder hat genug Rückgrat, lässt sich den Schneid nicht abkaufen und hat Ansehen – alles positiv!

Wenn wir Menschen unser Steak auf unserem Teller verteidigen, das uns der Nachbar gerade vom Teller ziehen möchte, sind wir dann auch gleich aggressiv?

Nein, wir verteidigen nur unser Essen – auch, wenn wir den Nachbarn deshalb nicht gleich in die Wade beißen. Aber reden kann unser Hund nicht, deshalb kommuniziert er das AndersArtig. Und artig ist jede Spezies auf ihre Weise.

Wie Hunde kommunizieren, welche Hormone beim Hund eine große Rolle spielen und wie manche Hunde noch aus dem 4F-Repertoire reagieren, findet ihr in einem anderen Blog!

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